Hörsaal Wartezimmer

Prolog
Vor einiger Zeit plagten mich plötzlich verdächtige Schmerzen im rechten Unterbauch (Blinddarmentzündung?).
Natürlich – mit einer Appendizitis wäre nicht zu spaßen.
Es galt also, der Angelegenheit auf den Grund zu gehen.
Da mich beim Gedanken an ein Krankenhaus fast unwillkürlich Krankheitsgefühle überkommen, zog ich es vor, die Diagnostik ambulant vornehmen zu lassen.
Gesagt, getan.
Mein akuter Bauch quälte sich also – mit mir im Schlepptau – schnurstracks zum nächsten Internisten.

Auftritt
Ich betrat die Praxis. Endlich erreichte ich den Empfangsbereich: eine lange Theke mit zwei sehr geschäftigen Sprechstundenhilfen dahinter. Umgeben von etwa einem Dutzend mitleidsvoll dreinschauender Patienten, die bang auf Ihren Stühlen saßen.
Gleichwohl schielten sie dankbar in meine Richtung – erwarteten Sie doch, aus ihrer Lethargie gerissen zu werden.
Nun – ich wollte und konnte sie nicht enttäuschen. Sie wurden Zeugen eines absurden Einakters:

„Worum geht’s?“
Ich schildere also kurz und anschaulich meine Beschwerden.
„Da müssen wir erst mal sehen. – Haben Sie einen Termin? Nein? Dann wird’s schwer.“
Ich weise darauf hin, dass es sich weder um ein chronisches Leiden, noch um ein vorhersehbares Ereignis handle.
„Na schön, mal schauen.“
Ich schöpfe erste Hoffnung. Ein Fehler, wie sich schnell zeigen sollte.
„Also, ich kann Ihnen einen Termin in drei Wochen geben.“
Dongk!
Herr, schmeiß Hirn vom Himmel – oder, um es mit Schiller zu sagen:
Herr, dunkel war der Rede Sinn.
Ich versuche also nochmals, dezent auf die Dringlichkeit hinzuweisen.
Und auf die Tatsache, dass ich, sollte ich mit meiner Vermutung richtig liegen, den Termin in drei Wochen nicht mehr bräuchte – und vermutlich auch nicht mehr wahrnehmen könnte.
„Dann warten Sie bitte mal einen Moment – ich werde einen der Ärzte befragen.“
Die wartenden Leidesgenossen schienen der Handlung folgen zu können.
Nach einigen Minuten kam eine der Helferinnen lächelnd auf mich zu:
„Sie sollen sofort ins Krankenhaus gehen.“
Na, prima Idee. Und prima Diagnostik. Und: Prima Drama.

Epilog
The show must go on.

na jamäßiggutsehr gutherausragend (noch nicht bewertet)
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